In juristischen Beitr?gen ist eine spezifische Passivkonstruktion ?auf dem Vormarsch“. Das unsch?ne milit?rische Sprachbild mag die Erschütterung der Autorin dokumentieren, wenn sie liest:
a) ?Es wird dann zum Ergebnis gekommen, dass der Antrag zul?ssig und begründet ist.“
b) ?Es wird sich gewundert, … ?
c) ?Ich habe Feedback bekommen, dass sich mehr Beispiele für die richtige Zitierweise gewünscht werden.“
Das klingt nicht nur falsch, es ist falsch: Viele, aber nicht alle Verben sind ?passivf?hig“, k?nnen also ins Passiv gesetzt werden – oder in anderer Formulierung: lassen sich ins Passiv setzen. Für den juristischen Stil, der (zu) oft mit Passivkonstruktionen arbeitet,[*1]?wird das offenbar zunehmend zur Herausforderung. Deshalb noch einmal zur Erinnerung: Grunds?tzlich (!) nicht passiv-f?hig sind verschiedene Verbtypen (mehr dazu unter??https://mein-deutschbuch.de/nicht-passivfaehige-verben.html?(Aufruf: 31.7.2025))[*2].
Zu ihnen geh?ren:
(1) Fast alle Verben, deren Perfekt mit ?sein“ gebildet wird, zB Verben, die Ortsver?nderungen anzeigen: gehen, fahren, kommen; aber auch Verben wie aufstehen, einschlafen ….
Nicht m?glich: Er wird gegangen; er wird gekommen. Aber: er wird gefahren/ das Auto wird gefahren, w?re m?glich.
Nicht m?glich: Ich werde aufgestanden; sie wird eingeschlafen.
(2) Verben, die mit ?sich“ stehen. Sie hei?en auch reflexive Verben, zB sich waschen, sich wundern, sich fragen, sich freuen…
Nicht m?glich ist also: ich werde mich gewaschen; es wird sich gewundert, wir werden uns gefragt, Du wirst Dich gefreut.
Aber m?glich ist bei manchen Verben, eher umgangssprachlich, die Befehlsform (Imperativ) im Passiv: Jetzt wird sich mal gewaschen!
Was hei?t das für unsere Ausgangsbeispiele? Das kommt – wie so h?ufig – darauf an – unter anderem darauf, was der genaue Kontext war. Denkbar w?re etwa:
a) X kommt dann zum Ergebnis, dass der Antrag zul?ssig und begründet ist.
Oder, ohne das Füllwort ?dann“: X kommt zum Ergebnis, dass der Antrag zul?ssig und begründet ist.
Oder: Im Ergebnis ist der Antrag zul?ssig und begründet.
Oder: Ergebnis: Der Antrag ist zul?ssig und begründet.
….
b) Man wundert sich …
c) Ich habe Feedback bekommen, dass mehr Beispiele für die richtige Zitierweise gewünscht werden.
Oder: Ich habe Feedback bekommen, dass die Studierenden mehr Beispiele für die richtige Zitierweise wünschen.
Noch besser: Ich habe Rückmeldung erhalten, dass die Studierenden mehr Beispiele […] wünschen.
Oder: Die Rückmeldung hat ergeben, dass …
Der sprachlichen M?glichkeiten sind also genug. Man kann sie nutzen.
Pascale Cancik
[*1]?Die Lernchance zur Vermeidung von ?Passivitis“ fehlt noch. Vielleicht schreiben Sie sie? Ansonsten:?Walter, Kleine Stilkunde für Juristen, 4. Aufl. 2024, S. 68.
[*2]?Laut Selbstbeschreibung: ?www.mein-deutschbuch.de ist ein Internetportal für den allgemeinen Deutschunterricht mit dem Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache. Das Angebot zum Thema Deutschlernen reicht von einer umfangreichen Online-Grammatik, über Diktate, Leseverstehen, H?rverstehen bis hin zu Grammatikübungen. mein-deutschbuch.de z?hlt im Durchschnitt t?glich über 15.000 Besucher.“